Was war nochmal diese „Paloma“? Hat ein Tequila Sunrise heutzutage überhaupt noch eine Existenzberechtigung? Und warum ist eine Buttermilch-Margarita der neue Jahrtausend-Cocktail schlechthin? Ich unterhalte mich mit Johann Trasch von Cocktailbart.de über Cocktails und Bärte und auch irgendwie über Tequila.

About-Tequila: Hallo Johann!

Johann: Grüß dich, Markus! Danke für die Einladung zum Interview!

About-Tequila: Erzähl doch mal kurz wer Du bist und warum man Deinen Blog Cocktailbart.de kennen muss. Cocktail ja okay, verstehe ich, aber Bart?

Johann: Ich arbeite bei Perola, einem mittelständischen Spirituosen-Importeur in Fürth im Online-Marketing, da bin ich indirekt aber tatsächlich erst über den Blog gelandet. 2016 startete ich den zusammen mit meinem Kindergartenfreund Thomas als SEO-Experiment. Damals arbeitete ich noch in einer Agentur, war relativ neu in dem ganzen Google-Unfug und brauchte eine Spielwiese. Da wuchs Cocktailbart dann allerdings sehr schnell raus und wurde zu einem großen Leidenschaftsprojekt.

Kreative Grenzen beim Cocktail Mixen? Nicht mit Johann Trasch von Cocktailbart.de

Von kennen „müssen“ sind wir aber zugegeben noch ein bisschen weg, auch wenn man uns in der deutschen Schnaps-Blogosphäre und bei der Online-Suche nach Cocktail-Rezepten durchaus über den Weg läuft. Was das „Bart“ angeht: Tom und ich sind beide praktisch nie glattrasiert und stehen auf blöde Wortspiele. That’s it.

About-Tequila: Okay, also der eine trinkt und schreibt und der anderen macht die Fotos 😉

Johann: Tom hat das Auge fürs Detail, hat etwa am Blog viel Zeit in Farbauswahl (krass, mit wie vielen Grautönen man unzufrieden sein kann?!) und Fonts gesteckt, wo ich einfach der „Taugt, lass weitermachen.“-Typ bin. Ohne diese Arbeit wäre Cocktailbart in Sachen Design nur Kraut & Rüben. Am Anfang war es auch so, dass Tom sich komplett um die Bildbearbeitung gekümmert hat, inzwischen mache ich da, nach viel Übung und noch mehr guten Tipps von ihm, aber auch vieles selbst.

So oft wie wir das gerne würden, kommen wir nämlich leider gar nicht dazu, Auge in Auge zusammenzuarbeiten, da ist viel Online-Kooperation und Fernberatung dabei. So ist das, wenn beide Familie und Jobs haben und nicht direkt um die Ecke wohnen.

About-Tequila: Kommen wir mal auf Tequila zu sprechen – wie Du zu mir vorab meintest, nicht gerade dein Fachgebiet – beste Voraussetzung also für ein Interview ;-).  Ihr hattet aber schon den ein oder anderen Cocktail mit Tequila vorgestellt bzw. habt kreativ experimentiert. Im Vergleich zu anderen Spirituosen: Ist Cocktails mixen mit Tequila einfacher als mit anderen Spirituosen oder schwieriger?Im Vergleich zu anderen Spirituosen: Ist Cocktails mixen mit Tequila einfacher als mit anderen Spirituosen oder schwieriger?

Johann: Das hängt stark davon ab, wie deine Ansprüche an dich selbst sind und natürlich auch, für wen du gerade mixt. Für die meisten von uns Hobby-Bartendern sind Gin und Whiskey einfach vertrauter. Du hast mehr Templates im Kopf und oft erscheint einem bei Tequila-Drinks alles, was über Margaritas und Tequila Sunrise hinausgeht exotisch. Der Trick ist: einfach mal öfter einen Tequila benutzen, statt was anderes. Old Fashioned? Añejo. Manhattan? Reposado raus. Fizz? Tu mal den Gin weg, hier lecker Agave.

Wenn man da einfach mal merkt, dass die Templates immer noch alle gut funktionieren, braucht man eigentlich nur noch Gäste, die auch mitspielen. Und die sind nach einer Buttermilch Margarita meistens eh schon nicht mehr davon abhalten, dir die Vorräte wegzusaufen.

About-Tequila: Heisst also mit ´ner Buttermilch Margarita kriegst alle rum, muss ich auch ausprobieren. Sprechen wir jetzt einmal über die unterschiedlichen Tequila Kategorien. Da gibt´s ja den “blassen Obstler” (= Blanco) und die “braunen guten Tequila” (= Reposado, Añejo, Extra Añejo) .

Hast Du da, wenn Dir jemand einen Tequila anbietet persönliche Vorlieben? Hat´s dir ein Tequila besonders angetan (im positiven oder auch negativen Sinne)?

Eine Buttermilch Margarita. Cocktail Rezept ist unten verlinkt Tipp!.

Johann: Vorlieben tatsächlich wenige. Ich bin im Regelfall kein großer Fan von Extra Añejos. Kollege Galumbi hat’s mal so schön formuliert: „Die schmecken manchmal so, als hättest du Vanillepuddingpulver mit Tequila angerührt.“. Aber auch da gibt’s Ausnahmen.

Villa Lobos hat jetzt einen 55%igen Blanco rausgebracht, der mich wirklich sehr begeistert hat mit seinen irren grasigen Aromen – aber gut, ich muss das sagen, ich vertreibe den im Dayjob :). 

Der Huizache Origen Reposado, der mir persönlich einen Tick zu mild war, (Anm.: 35% Alk Vol) ist inzwischen so ein bisschen meine Geheimwaffe, um Agavenverweigerer davon zu überzeugen, dass man Tequila genauso gemütlich aus dem Nosingglas trinken kann wie einen guten Scotch. Aber so insgesamt, wenn ich nur eine Altersstufe mit auf die einsame Insel nehmen dürfte, hätte ich wohl eine Kiste Reposado dabei, der ist am vielseitigsten.

About-Tequila: Schauen wir mal auf die Longdrink Möglichkeiten. Gibts aus deiner Sicht mit Tequila DAS Pendant zum legendären Gin-Tonic oder Whiskey-Cola? Tequila+X?

Johann: Palomas! Eine gute Grapefruitlimo, halbe Limette, Prise Salz, ab geht die Luzi. Ich nehme auch an, dass das stärker kommt, nachdem in den letzten Jahren ja nun doch einige Grapefruitsodas auch nach Deutschland gekommen sind – und teils sogar sehr gute.  

About-Tequila: Wenn du Tequila zum Testen zugeschickt bekommst, was ist der erste Gedanke der dir durch den Kopf geht? Das kommt wohl nicht so oft vor zwischen den unzähligen Gins, Whiskeys und Rum-Sorten.

Johann: Es ist tatsächlich irre selten. Ich glaube, die hochklassigen Marken erhoffen sich da nicht so viel Zielgruppenansprache und die günstigeren Varianten werden eh gekauft. Daher ist der erste Gedanke nach „Willst du unseren Tequila ausprobieren?“ einfach nur „Geilo.“

Durch die anspruchsvollen Fotos werden die Drinks optimal in Szene gesetzt.

About-Tequila: Brauchen wir einen Tequila-Boom überhaupt? (Wie weit) hängt dir Gin schon zum Hals raus? Oder muss ich jetzt bald wirklich Wermut und dieses Chinazeug trinken?

Johann: So viele Fragen auf einmal 🙂 Erstmal: Wermut und Baijiu – aka dieses Chinazeug – sind richtig spannende Nummern. Vor allem Wermut hat’s mir angetan, ich trinke meine Martinis auch tatsächlich ziemlich feucht.

Gin hängt mir nicht unbedingt zum Hals raus (siehe Martinis), aber ich hab‘ ihn doch massiv runtergeschraubt; da war in den letzten Jahren einfach zu viel, was nicht heißt, dass ich die guten Sachen aus der Wacholder-Dimension nicht immer noch zu schätzen weiß. Das heißt auch nicht, dass ich den Gin-Boom verfluche. Der hat viel dafür getan, dass Menschen sich wieder in großer Zahl für gute Drinks und geile Spirituosen über Gin hinaus interessieren. Viele der langlebigeren Bars, die jetzt krasse Craft-Cocktails auf die Karte stellen statt Tequila Sunrise, Mai Tais, die keine sind und Kangaroos, haben die Genießer dadurch angelockt, dass sie die Gin-Karten krass aufgestockt und fünf verschiedene Tonics eingelistet haben. Das muss man – so sehr es nervt – honorieren.

In dem Sinne brauchen wir meiner Ansicht nach keinen Tequila-Boom. Wir müssten mehr dafür sorgen, dass die Leute, die jetzt gute Dinge trinken, begreifen, dass auch Tequila da dazugehören kann. Ähnlich wie jetzt ganz langsam viele Scotch-Fans nach Jahrzehnten hohler „Bourbon nur mit Cola!“-Parolen begreifen, dass auch aus den Staaten mitunter mehr kommt als heiße Luft und Maissprit.

About-Tequila: Hätte Tequila überhaupt das Zeug zum Boom in Deutschland bzw. Europa oder bleibt die Spirituose in der Nische (Also einerseits bei den Leuten die sich mit Mixtos die Rübe wegsaufen und andererseits bei denen die genussvoll Reposados und Añejos sippen). Wie holt man die breite Masse ab und wo?

Johann: Puh. Wenn ich darauf eine finite Antwort hätte, würde ich von dir wahrscheinlich eine gute Stange Geld dafür verlangen 🙂 Ich glaube aber, wenn man auf Masse gehen will, darf man nicht in Spirituosen denken, sondern in Drinks. Gin geht nicht, weil die Leute Gin lieben, sondern Gin Tonic. Wodka wird nicht (von allen) geliebt, weil Wodka so toll wäre, sondern Moscow Mules. Whiskey? Cola. Rum? Cola. Klar – all die vier Sachen lassen sich in weitaus gediegeneren Drinks verarbeiten und klar machen gehobene Bars auch mehr Umsatz mit Whiskey Sour und Daiquiri als mit Libre und Jacky Coke.

Aber so oder so braucht Tequila was, das sich wirklich jeder daheim in 10 Sekunden nachmixen kann – ich hoffe da langfristig auf die Paloma. Bleibe aber selber daheim bei meinen Buttermilch Margaritas 🙂

Johann und Thomas – zusammen sind sie Cocktailbart.de

About-Tequila: Wie geht’s weiter mit Cocktailbart? Habt Ihr eine Mission für 2019 mit eurem Blog?

Johann: Wir sind nicht so gut in Agendas, weil wir bisher noch nicht von Cocktailbart leben (können? wollen?) und entsprechend einfach das machen, worauf wir gerade Bock haben. Aber für 2019 wollten wir ein bisschen raus aus Altbekanntem. Mehr Port, mehr Sherry, viel mehr absurde Sachen, ein bisschen mehr American Whiskey und – ja! – auch mehr Agave.

About-Tequila: Dankesehr!

Johann: Ich danke dir!

Links:
Cocktailbart – oldschool als Homepage
Cocktailbart – jung und hipp auf Instagram
Cocktailbart – zu alt für Instagram? Dann klick auf Facebook
Eine Paloma richtig toll mixen
Der Ubercocktail schlechthin – Buttermilch Margarita
Buttermilch Margarita mixen beim Kollegen von Galumbi
Warum man keine Tequila-Mixtos trinken sollte. Wirklich. Nicht machen!

Ich bedanke mich bei Johann Trasch von Cocktailbart.de für das ziemlich spontane und offene Interview und wünschen ihm weiterhin viel Erfolg für seinen Blog! Wenn auch Sie eine interessante (Tequila)-Geschichte haben, dann schicken Sie mir bitte eine E-Mail an info@about-tequila.de – ich freue mich auf Nachricht! (Markus Nikowitsch, About-Tequila.de, Mai 2019)