Tequila Terralta entstammt der Destillerie El Pandillo mit der NOM Nummer 1579. El Pandillo liegt in Jesús María, Jalisco in den Highlands. Das ist jetzt noch nicht wirklich spannend, aber wenn man nach dieser NOM googelt, dann findet man heraus, daß sich dahinter niemand geringerer verbirgt als Felipe Camarena. Er ist verantwortlich für Marken wie Pasote oder G4. G4 geht seit dem letzten Jahr in den USA durch die (Tequila)-Decke. Ich habe noch nie so viele „Unpacking“-Fotos gesehen wie zum G4. Und das ist jetzt nichts von Apple sondern „nur“ ein Tequila. Der G4 ist der Uber-Tequila, nahezu fehlerfrei. Kann und darf es neben G4 noch einen weiteren Super-Tequila geben? Ich versuche mal diese Frage zu beantworten.

Der Background-Check

Terralta bedeutet auf Englisch „Hochland“, worum es bei diesem Tequila auch geht – die Agaven entstammen den Highlands von Jalicso. Tequila Terralta (und G4 Tequila) gehören Felipe Camarena und seinen beiden Söhnen Luis und Alan, die Felipes Partner in der Destilería El Pandillo sind. Warum aber im Schatten des Superstar G4 noch eine weitere Marke launchen? Ich würd hier mal den legendären Reinhold Messner zitieren, der auf die Frage, warum er überhaupt auf Berge steigt einmal geantwortet haben soll: „Weil sie halt da sind“. Ich denke, so verhält es sich auch mit Terralta und der Familie Camarena. Es ist schlichtweg der Schaffensdrang.

Felipe Camarena inmitten seiner Schätzchen. Hier im Bild jeweils ganz aussen die 55%-Varianten seines Blancos und Extra Añejos (leider nahezu ausverkauft).

Der kleine, aber feine Unterschied

Alle seine Tequila Marken werden in einer ähnlichen Produktionstechnik hergestellt, aber der eigentliche Unterschied zwischen ihnen ist das verwendete Wasser.

  • G4 ist ein weicher, leicht zu trinkender, definiert klassischer, butteriger, blumiger und seidiger Tequila, der 50% Regen- und 50% Quellwasser verwendet.
  • Pasote wird mit 40% Regenwasser und 60% Quellwasser hergestellt und ist mineralischer im Geschmack und ähnlich wie Terralta, mit mehr Erde, Süßholz, Rauch und einem kühneren Profil.
  • Terralta wird zu 100% mit Quellwasser hergestellt. Und das ist ein ganz besonderes. „Very, very earthy!“

Das spezielle Quellwasser

Tequila Terralta verwendet Tiefbrunnenwasser aus 140 Meter Tiefe, mit einer Viskosität, die man in allen Terralta-Varianten spüren kann. Dieses tiefe Erdbrunnenwasser bringt ein ganz anderes Maß an Mineralität und ein erdigeres Geschmacksprofil als die anderen Marken. Ausserdem besitzt dieses Wasser einen anderen PH-Wert, was sich auch wiederrum im Geschmack widerspiegel.

Das Ergebnis: viel natürliches, reiches Agavenaroma das über alle Varianten stehts erhalten bleibt. Das macht doch wirklich neugierig, oder?

Die Produktion

In der Brennerei El Pandillo, wird Tequila Terralta auf die gleiche traditionelle Weise hergestellt wie die anderen Marken von Felipe. Und er geht dabei nie Kompromisse ein. Seine Anlage ist sehr modern, einzigartig und innovativ, mit vielen ökologischen und effizienten Änderungen. Der selbstgebaute Schredder, der aus Traktoranhängern und Teilen von Eisenbahnwaggons besteht, heißt Igor. Camarena schuf auch seine mechanische Dampfwalzen-Tahona mit einem Gewicht von über 8 Tonnen, die die Agaven sanft zerquetscht, ohne die Fasern zu brechen. Wenn diese Fasern brechen entsteht nämlich sonst ein bitterer Geschmack. Der Mann denkt wirklich an alles.

Sein Tahona, das aus Schrott-Dampfwalzenteilen hergestellt wurde, heißt Frankenstein“ oder wie manche es nennen – Felipenstein“. Es zerkleinert und belüftet die Agave gleichmäßig und vermischt sie mit Wasser.

Seine Steinhornöfen kochen die Agaven 22 Stunden lang und verteilen den Dampf gleichmäßig auf Ober- und Unterseite, was wichtig ist, da sie die Pinas gleichmäßig kochen, nicht nur von oben oder unten, wie viele andere Öfen.

Er verwendet Edelstahlfermentation mit natürlicher Hefe, die bereits sein Großvater vor über 80 Jahren einsetzte, vor der doppelten Destillation in Kupferstills, die durch Destillation von Wasser mit Dampf vor jeder Charge gereinigt werden.

100% Tiefbrunnenwasser aus 140 Meter Tiefe, wird verwendet für sowohl die 40% Alk.Vol Varianten als auch für die extra starken 55% Alk,. Vol. Versionen. Bei der 55% Version des Blanco und des Extra Añejo wird von diesem Tiefbrunnenwasser sowieso nur ein bescheidener Teil verwendet, denn es gilt hier lediglich von 60% auf 55% Stärke zu verdünnen um die gesetzliche Obergrenze für Tequila zu erreichen. Die Blancos werden kurz nach der Destillation in Flaschen abgefüllt.

Die Fässer machen beim Reposado den Unterschied!

Bei der Fasswahl unterscheidet sich im speziellen der Reposado von Tequila Terralta von den Reposados seiner anderen Marken dadurch daß hierfür nur leicht getoastete Fässer verwendet werden, was wiederrum die dezente Färbung des Tequila Terralta Reposados erklärt (der ist auch nur 3 Monate im Fass. Der G4 Reposado ganze 6 Monate). Für die Añejos und Extra Añejos werden für G4, Pasote & Terralta die selben gebrauchten amerikanischen Eichenfässer von Jim Bean und Jack Daniels verwendet. Wer also Terralta probieren will sollte sich unbedingt (auch) den Reposado vornehmen.

Das Tasting

Von Terralta gibt es eigentlich 6 Versionen. 2x Blancos (einer davon mit 55%), einen Reposado, einen Anejo, einen Añejo und einen Añejo (XA) mit 55%. Die beiden 55%-Versionen sind leider nahezu vollständig vergriffen.

Terralta Blanco (40%)

  • Farbe: kristallklar
  • Aroma: viel süße gekochte Agave, leichter Anis, etwas Gewürz und eine Prise Pfeffer, etwas Rauch, sehr leichter Alkohol, fruchtig-leichtes Melonenaroma, Mineralien und erdiges Gestein/Ton, regnerisches Aroma, leicht blumig und leichte Zitruslimonade
  • Geschmack: extrem sanft zu trinken (das ist ein Tequila Blanco!) mitteldünn ölig, weich und seidig mit süßer gebackener Agave, buttrig, milde Wärme, leichter Pfeffer und Rauch, milder Anis, erdige und mineralische Noten
  • Finish: mittellanger Abgang mit Noten von Butter, süßer gebackener Agave und leichtem Anis.

Fazit: Ein nahezu perfekt ausbalancierter Blanco – und im direkten Vergleich zum G4 Blanco: Ganz anders!

Terralta Reposado (40%)

  • Farbe: dezentes helles gelb
  • Aroma: helles Karamell, schönes helles Whiskey/Bourbon Eichenaroma, helles Leder, heller Honig, fruchtig, sehr milde Minze und Zimt, Gewürze und erdige Aromen, leichte Schokoladenpräsenz und einen duftenden Gesamteindruck, mit etwas Anis, einer guten Menge süßer gekochter Agave und einer Prise Rauch
  • Geschmack: leicht ölig, leichte Vorwärmung, leichtes Karamell mit einer Prise Schokolade. Etwas wie ein leichter Whiskey Bourbon. Ein schöner, nicht überwältigender Eichengeschmack und ein butteriges, würziges Mundgefühl
  • Finish – butterig, mit milder Wärme und etwas Karamell, Gewürzen und einigen süßen gekochten Agavenaromen, die in einem mittellangen Ausgang enden

Fazit: Die logische Fortsetzung des Blanco. Die Fass-Note schwingt lediglich dezent über dem eigentlichen Agave-Grundton. Mein persönlicher Favorite. Das Ding ist definitiv PERFEKT!

Terralta Añejo (40%)

  • Farbe: Bernstein.
  • Aroma: Whiskey/Eiche, etwas Agavensüße, grüner Apfel und eine leichte Fruchtpräsenz, helles Karamell, etwas Gewürz, Pfeffer und eine Prise Vanille, Zimt und Rauch
  • Geschmack: etwas öliger als der Reposado, zunächst glatt mit milder Hitze, einige Früchte mit grünen Äpfeln, milder Rauch und eine Prise Vanille und Ahornsirup
  • Finish: Karamell, Eiche, Gewürz, helle Schokolade, milde Frucht (Apfel), etwas Rauch mit einem schönen Biss, mittellanger bis langer Ausgang

Fazit: Ab 1 Jahr wird ja die Eichennote meist aktiv dominant von den Herstellern in den Vordergrund gedrängt. Quasi, als wolle man hier zeigen: Stop, ein Añejo ist gar kein Tequila mehr… Nicht so bei diesem. Die Agave ist hier nicht im Fass „ersoffen“ sondern bleibt immer noch präsent. Für einen Añejo immer noch erstaunlich viel komplexe Aromen! Kommen wir zur Abschlussversion.

Terralta Extra Añejo (40%)

  • Farbe: Goldig (aber immer noch meilenweit entfernt von „Klassikern“ wie  z.B. dem Añejo von 1800)
  • Aroma: Whiskey/Eiche, heller Ahorn, etwas Leder, fruchtige Apfel-Präsenz, mildes Gewürz, eine Prise Vanille und Rauch und etwas Zimt
  • Geschmack: ölig, sehr wenig Hitze, Karamell, Gewürze, helle Schokolade, milder Zimt, weiche und einige butterige Noten
  • Finish: milde Schokolade und Karamell, eine Prise Gewürze und Rauch, etwas Hitze mit mildem Leder, in einem langen Finish

Fazit: Wer XAs trinkt will bewusst auch Eichenaroma und Geschmack. Der klassische Gin-Trinker erwartet ja auch eine Wacholdernote im Gin als Grundton. Dieser Extra Añejo wurde in gebrauchten American Oak Whiskeyfässern gelagert – 4 Jahre lang (!). Angesichts der Tatsache daß Felipe kein Extra Añejo-Fan ist ist es erstaunlich daß er hier sogar 1 Jahr über der Mindestreifungszeit liegt. Aber auch dafür wird der gute Mann seine Gründe haben. Das Ergebnis gibt Ihm auf alle Fälle recht. Wie er den Spagat zwischen der agilen kraftvollen lebhaften Agave und dem behäbigem dunkel entspanntem Eichenholz hinbekommt wird sein Geheimnis bleiben. 

Mein Fazit

Eins ist aber jedenfalls klar: Hier wird nicht getrickts, es werden keine Zusatzstoffe verwendet. Hubba-Bubba-, Zuckerwatte- und so quietschige Space-Aromen sind hier sowieso nicht zu finden auch wenn man sich noch so anstrengt beim Suchen. Da ist alles organisch. Ja, genau das beschreibt alle 4 Sorten eigentlich am besten: Organisch, erdig, normal, neutral, so wie es halt ist, logisch. Das ist ein klassischer Tequila. Und auf die Frage zu antworten die ich zu Beginn des Artikels in den Raum gestellt hab: Ja, es darf neben G4 noch einen weiteren Super Tequila geben und es gibt ihn auch.

Unter „Tequila“ müsste ab sofort in Wikipedia das Synonym „Terralta“ vermerkt werden. 

Ich bin und bleibe begeistert von diesem Tequila, vor allem vom Blanco und Reposado, von diesem Tequila-Genie und all seinen Marken. Man darf gespannt sein was er sich noch so ausdenkt. Vielleicht mach ich dann auch mal ein Unpacking-Foto beim nächsten Test.

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