Die 40%-Varianten der „Underdog“-Tequila-Marke TERRALTA habe ich hier ja bereits ausführlich vorgestellt. Fehlen noch die 55%-Varianten (110 proof). Vom „Schwesterchen“ G4 Tequila gibt es ebenfalls stärkere Versionen. Was ist nun der Unterschied zu G4 Tequila und zu normalem 40% Tequilas und wie schmeckt so etwas?

Terralta Blanco 110 proof (55%) und noch viel erstaunlicher: Terralta Extra Añejo 110 proof (55%).
Terralta Blanco 110 proof (55%) und noch viel erstaunlicher: Terralta Extra Añejo 110 proof (55%).

Die G4 Tequila Varianten: limitiert und teuer

Da die Produktion der G4 Versionen limitiert war, ist die noch verfügbare Menge an Flaschen wohl an einer Hand abzuzählen. Vom G4 Extra Añejo (45%, „nur“ 90 proof) wurden lediglich 750 Flaschen abgefüllt, die praktisch alle vergriffen sind. Eine Flasche G4 Extra Añejo 45% in einer Holzbox mit Glasschiebedeckel hab ich im Internet gefunden für 275 Dollar, siehe Screenshot. Vom Blanco gar keine. Da ist wohl alles weg.

Screenshot Old Town Tequila - Hier wird eine der limitierten Flaschen G4 55% XA angeboten.
Hier wird eine der limitierten Flaschen G4 45% XA angeboten.

Die Alternative: Terralta

Warum Alternative? Zum einen: permanent verfügbar, bezahlbar und sowohl Blanco als auch Extra Añejo in 55% Stärke verfügbar. Wahnsinn oder?

Und ich gehe nochmal auf das verwendete Wasser ein. Bei G4 ist das ein 50/50-Mix aus Regen- und Quellwasser. Bei Terralta besteht das Wasser aus 100% Tiefbrunnenwasser. Da eine Trinkstärkenreduktion von ca 114 proof auf 110 proof nur wenig Wasser benötigt, sollten sich die G4 und Terralta Blanco High-Power Varianten auch nicht so dramatisch von einander unterscheiden. Natürlich wird im kompletten Produktionsprozess Wasser verwendet, aber das wird ja auch später destilliert und hat dadurch nicht die Bedeutung wie das Wasser das zur Trinkstärkenreduktion verwendet wird – und eben nicht mehr in seiner Form verändert wird. So meine theoretisch Herleitung.

Kommen wir aber jetzt zur Verkostung: 55%-Versionen von Tequilas sind selten. Und der Extra Añejo von Terralta hat praktisch gar keine „Endgegner“. Das ist ein konkurrenzloses Produkt in dieser Maximalstärke die für Tequila erlaubt ist. Spannend.

Terralta Blanco (55%)

  • Aroma: Man riecht den Mehralkohol, milden Anis, Butter, gekochte Agave, leichte Gewürze und etwas Pfeffer
  • Geschmack: weniger minderalisch, leicht ölig, etwas Gewürze, Butter, Pfeffer, Rauch, Anis und süße gekochte Agave
  • Finish: Rauchig und mehr Agaven-Süße als bei der 40% Version, Wärme, ziemlich kurzer aber punktsicherer Abgang

Der 55% Tequila Blanco besitzt mehr Power in der Nase, mehr süsse Agave im Gaumen und ein intensiveres (aber kürzeres) Finish. Er ist weniger mineralisch als sein 40% Pendant. Und: er ist absolut mild, im Vergleich zu anderer 55% Blancos. Eigentlich sollte jeder Blanco so präzise „knallen“. In einem Cocktail wohl auch perfekt – da würd ich mich dann zum verdienten Attribut „Ultra Premium Cocktail“ hinreissen lassen.

Terralta Extra Añejo (55%)

  • Aroma: Dominante Bourbon-Eiche, Vanille, Orange, Ahorn und etwas Leder. Angenehm und die Agave ist erkenntbar
  • Geschmack: elegant ölig aber mehr Wärme als bei der 40% Variante, etwas Butter und Leder, Pfeffer, einem Hauch von süsser Agave, etwas Zimt und Honig
  • Finish: Karamell, Vanille, Gewürze, etwas Honig und ein warmer, extrem langanhaltender ausbalancierter Abgang

Dieser hellgoldene 4-jährige Extra Añejo von Terralta ist wirklich ein Phänomen. Die 55% Alkohol Volumen verursachen eine durchgehende Homogenität, von der Nase bis zum Finish – und das kombiniert mit einer stets präsenten Agavensüsse (das ist der Trick bei Terralta) und der gewollt vorherrschenden Eichennote. So spannend kann ein Extra Añejo Tequila also schmecken 😉

Tequila Terralta Blanco und Extra Anejo in 110 Proof (55%) Alkohol Version.
Abgefüllt werden Tequila Terralta stehts in kleinen Chargen – so auch die 55% Versionen.

Mein Fazit

Sowohl der Blanco als auch der Extra Añejo sind in dieser 55% starken Version genauso wie alle anderen Tequilas von Felipe Camarena und seinen beiden Söhnen absolute Top Tequilas. Das ist eine Liga für sich was die Familie da in ihrer Destillerie El Pandillo produziert. Als Tequila-Nerd sollte man einmal im Leben einen 55%-Tequila probiert haben. Das muss jetzt nicht unbedingt ein Terralta sein. Es gibt ja noch ein paar andere. Villa Lobos hat auch so etwas im Sortiment, oder auch Tapatio. Aber das sind immer nur Blanco Tequilas und diese sind nicht so mild wie die 55% Versionen von Terralta. Wie Felipe Camarena das macht ist mir wirklich ein Rätsel.

Und vor allem der Extra Añejo 55% von Terralta wird ein Exot bleiben – eine Klasse für sich – und ist in meinen Augen eins der innovativsten Produkte in der Tequilaszene aktuell. Im Vergleich dazu ist ein ähnlich teurer 1942 von Don Julio echt eine Lachnummer, ein Blender mit Farbstoff und überzogenem Preis und schlampiger Kartonbox. Die wahren Perlen sind viel unscheinbarer – man muss sie nur finden.

Und ich zitiere hier gern nochmal Felipe Camarena: “I’m not in the business of making fancy bottles – I’m in the business of making great tequila.“

Und das ist kein Marketing-Blabla – das ist wirklich so. Danke Felipe! Salud!