„Das Wort Schnaps stammt aus dem Altdeutschen und ist mit dem deutschen Begriff „schnappen“ verwandt, der sich darauf bezieht, dass der Alkohol oder die Spirituose in der Regel in einem schnellen Schnaps/Rutsch aus einem kleinen Glas getrunken wird.“ (Wikipedia, aus dem englischen übersetzt). Diese Erkenntnis führt uns schnurstracks zum „lustigen“ Tequila-Shot Trinkritual und dann zu Chris vom Schnaps.blog.

About-Tequila: Hallo Chris. Stell dich doch mal bitte kurz vor.

Chris: Mein Name ist Christian Lanzerath, ich bin 36 Jahre alt und lebe in Köln – mitten in der halb wunderschönen und halb tristen Altstadt. Ich arbeite hauptberuflich als freier Journalist mit dem Schwerpunkt Informations- und Telekommunikationstechnik.

Meinen Blog Schnaps.Blog habe ich Ende 2016 gegründet. Wie das oft bei solchen Projekten ist, kann ich den genauen Grund heute nicht mehr so genau formulieren. Ich denke, es war einfach eine Mischung aus meinem Spaß am Publizieren und meiner Begeisterung für hochwertige Spirituosen – allen voran Whisky und seit einiger Zeit auch vermehrt Rum. Aber auch die anderen Gattungen kommen in meinen Posts und Videos natürlich nicht zu kurz.

Chris vom Schnaps.blog - denkt nach.
Chris vom Schnaps.blog – denkt nach.

About-Tequila: Ah,okay. Du bist eher der Whiskey- und Rum-Fan. Was ist das Erste was Dir bei dem Wort “Tequila” einfällt?

Chris: Ganz ehrlich: Roter Sombrero, Salz und Zitrone. Es tut mir leid, dass so sagen zu müssen, aber auch ich war mal jung und die Jugend prägt halt fürs Leben.

About-Tequila: Was sind deine persönlichen Erfahrungen mit Tequila? Also mit richtig billigem Fusel (=Mixto) und 100% Agave Premium Tequila?

Chris: Wie für viele andere – ich befürchte, es sind sogar die meisten Menschen – war auch Tequila für mich lange Zeit eine Party-Spirituose. Sinn und Zweck einer solchen muss ich wohl kaum erklären.

Aber spätestens seit dem Start von Schnaps.Blog habe doch schon einige hochwertige Tequilas aus 100 Prozent Agave probiert, die mit den scheußlichen Mixtos, die ja mit billigem Industriefusel aufgefüllt werden, nicht mehr viel zu tun haben. Das fängt bei einem einfachen ungereiften Jose Cuervo Tradicional Silver für 25 Euro an und hört bei einem 12 Jahre im Fass gelagerten Asombroso The Collaboration für 1.800 Euro auf. Keine Sorge, ich habe mir keine Flasche davon gekauft, ich durfte nur mal kosten.

Chris verkostet den Gran Reserva von Asom Broso auf seinem Schnapsblog

About-Tequila: Warum hat Tequila so einen schlechten Ruf in Deutschland?

Chris: Ich glaube, dass einfach die Auswahl an guten Tequila-Abfüllungen in den letzten 20 Jahren zu klein war – und damit auch zu teuer. Außerdem war es auf Partys geselliger, den Shot mit Salz und Zitrone zu trinken. Und dafür braucht man keine hochwertige Flasche, es kommt dabei ja sowieso nicht auf den Geschmack an.

Die Schuld für die Kopfschmerzen am anderen Morgen hat man dann dem Tequila in die Schuhe geschoben – wohl zu Recht. Und schon hatte Tequila den Ruf, den er leider immer noch größtenteils hat.

About-Tequila: Man spricht beim Tequila Blanco ja meist vom “Einsteiger”-Tequila, was ich eigentlich für falsch halte. Zum Heranführen an das Thema Tequila würde ich selbst eher länger gelagerte Tequilas empfehlen, Añejo oder Extra Añejos, diese sind wesentlich milder und “zahmer”. Man kann sich so eher an DEN Agavengeschmack herantasten. Wie siehst Du das? Und hast du eine Lieblings-Marke oder -Sorte?

Chris: Ich weiß, dass es Tequila-Freunde gibt, die die ungereifte Version sogar dem Anjeo vorziehen. Sie sind der Meinung, dass bei einem Tequila das Aroma aus der Destillation im Vordergrund stehen sollte und das Fass – wenn überhaupt – nur einen ganz kleinen Einfluss haben sollte. Ich sehe das nicht so strikt: Ich kann einen Blanco genau so genießen, wie einen Extra Anejo. Beide haben Vorzüge: Auf der einen Seite der frische Brennereicharakter, auf der anderen Seite der Fasseinfluss mit trockener Eiche, aber auch süßer Vanille.

Ich würde einem Einsteiger beides vorsetzen, um ihm die Bandbreite von Tequila zu zeigen. Warum ihm etwas vorenthalten, nur weil man glaubt, es schmecke ihm nicht? Eine Lieblingsmarke oder -sorte habe ich aus dem Grund auch nicht. Ich probiere gerne viel, bin offen für neue Abfüllungen und es gibt einfach sehr viele gute Tequilas da draußen – man muss sie nur finden.

Schnaps.Blog - Screenshot.
Der Blog. Auch kontroverse Themen werden behandelt. Find ich gut.

About-Tequila: Wenn du fassgelagerte Spirituosen wie Rum oder Whisk(e)y mit gereiften Premium-Tequilas vergleichst, wo siehst du Parallelen und wo Unterschiede im Geschmack? Ein ungeübter Gaumen vermutet beim Blind-Tasting hinter einem Extra Añejo Tequila leicht mal fälschlicherweise einen milden Scotch 😉

Chris: Hier geht es vor allem wieder um den Einfluss des Fasses. Je größer dieser ist, also je länger das Destillat im Fass lag, desto größer ist der Anteil des Fassaromas: Eiche, Vanille, dunkle Früchte und so weiter – kommt aber auch auf die Art des Fasses an. Bei Whisky kommen ja gerne Ex-Sherry-Fässer und dergleichen zum Einsatz. Wenn also das Fass einen großen Einfluss hat, gleichen sich die Aromen der verschiedenen Spirituosen-Gattungen an und man kann als ungeübter Genießer mal einen alten Tequila mit einem Whisky verwechseln.

Aber in der Regel sollte man doch noch einen Unterschied erkennen. Ich finde zum Beispiel diese erdige, leicht metallische Agaven-Note in jedem Tequila wieder.

Abseits von Spirituosen – Zitronensaft im Test.

About-Tequila: Kommt nach dem großen Gin-Hype nun ein Tequila Boom? 😉

Chris: Die Frage hört man oft, auch wenn es um andere Spirituosen-Gattungen geht. Aber ich glaube, dass wir sehr lange nichts Vergleichbares zum Gin-Hype sehen werden. Der ist erstens ungebrochen und zweitens so riesig, da haben es andere schwer. Selbst Whisky und Rum, die ja in den letzten Jahren stark aufgeholt haben, werden da nicht herankommen, auch wenn man das als enthusiastischer Whisky- und Rum-Fan oft glaubt.

Aber da muss man ehrlich zu sich selber sein und mal aus seiner Filterblase rausschauen: Gin ist absolut im Mainstream angekommen – schon vor langer Zeit und er hat sich festgesetzt. Whisky, Rum und Tequila sind davon weit weg, das muss ich leider sagen, auch wenn es hier viel besser geworden ist und noch deutlich besser wird.

About-Tequila:  Vielen Dank für das Interview.

Chris: Sehr gerne und danke dir für das Interviewangebot.

Links:

Schnaps.blog – Der Blog
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Ich bedanke mich bei Chris Lanzerath für das interessante Gespräch. Wenn auch Sie eine interessante Tequila-Geschichte haben, dann schicken Sie mir bitte eine E-Mail an info@about-tequila.de – ich freue mich auf Nachricht!