Tequila und Mezcal erfreut sich wachsender Beliebtheit. Jedes Jahr werden, vor allem im Hauptabsatzmarkt in den USA neue Rekordabsätze verzeichnet. Doch die Bestände der Agaven sind zunehmend durch Überzüchtung und Raubbau bedroht. Um dem entgegenzuwirken, bedarf es einem neuen Denken, das Nachhaltigkeit in den Fokus stellen muss.

Wie ist die Lage?

Anders als beim Tequila gibt es für Mezcal noch keine riesigen Agaven-Felder, die gleich mehrere hundert Hektar umfassen. Stattdessen werden dafür oftmals natürlich wachsende Agaven „ausgeschlachtet“. Dies hat inzwischen dazu geführt, dass in Oaxaca einige Agaven-Arten vom Aussterben bedroht sind. Was fehlt, ist ein gutes Agaven-Management, sonst ist es auch bald mit Mezcal vorbei. Ein Kompromiss zur Vermeidung von Monokulturen sind halb-kultivierte Agaven. Was ist darunter zu verstehen?

2018 wurden weltweit 309 Mio Liter Tequila produziert- das ist eine Menge Holz bzw. Agave.
2018 wurden weltweit 309 Mio Liter Tequila produziert- das ist eine Menge Holz bzw. Agave.

Ableger der Agaven werden in Gärtnereien aufgezogen, um später wieder in die Wildnis ausgepflanzt zu werden. Wichtig ist dabei, die Fehler, die in der Region um Tequila gemacht worden sind, damit ist insbesondere die Entstehung der riesigen Agaven-Monokulturen gemeint, nicht zu wiederholen. Ein zweites immenses Problem im Zusammenhang mit Tequila beziehungsweise Mezcal ist die Entwaldung aufgrund der Erdöfen, die benötigen Holz – viel Holz. In der Region um Tequila hat man inzwischen die Notbremse gezogen und stellt die Produktionsweise um. Die wenig effizienten Erdöfen gehören dort der Vergangenheit an, gleichzeitig wachsen schon die ersten Baumschulen und andere Anpflanzungen zum Himmel empor. Das war´s dann mit der Handwerkskunst.

Tequila = Monokultur

Die zur Tequila-Herstellung verwendete blaue Weber Agave wird heutzutage in großen Monokulturen angebaut. Die kleinen Pflanzen, die erst nach gut drei Jahren um ihre Mutterpflanze herum aus dem Boden treten, sind deren exakte Klone, das heißt, die Pflanzen dieser Monokulturen sind genetisch extrem einförmig und daher sehr anfällig gegenüber Schädlingen. Abgetrennt werden die Agaven-Klone dann auf andere Felder umgesetzt. Besser wären daher Felder mit wilden Agaven, die eine höhere genetische Vielfalt aufweisen. Eine solche Vielfalt ist aber nur durch die geschlechtliche Vermehrung der Agaven zu erreichen.

Die Blüten der Agaven werden zum Beispiel durch Motten, Kolibris und Fledermäuse, die die Samen weiter verbreiten, bestäubt. Leider ist es gerade in der Region um Tequila Usus, die Blütenstände vor der Ernte abzuschneiden mit dem Ziel, dass sich die Energie der Pflanze im Herz der Agave konzentriert – das erhöht den Ertrag. Die Folge ist ein rückgehender Bestand bei den Fledermäusen, die nun ebenfalls vom Aussterben bedroht sind. In trauriger Konsequenz dessen sind dadurch wiederum die wilden Agaven-Bestände bedroht, weil es ihnen an Bestäubern mangelt. 

Die Blaue Weber Agave. Für die Tequila-Industrie ein Rohstoff so wertvoll wie Gold.
Die Blaue Weber Agave. Für die Tequila-Industrie ein Rohstoff so wertvoll wie Gold.

Die Pflanzen der Agaven-Monokulturen sind dermaßen krankheitsanfällig, dass es immer wieder zum Ausfall kompletter Ernten kommt, und das Problem ist seit Generationen bekannt. Die Monokulturen, die im Rahmen der industriellen Produktionsweise geschaffen worden sind, bedeuten im Ergebnis das Ende von Tequila und Mezcal, denn die Auswirkungen der Monokulturen bleiben nicht auf die Region um Tequila begrenzt. 

Agavenknappheit, schon seit 20 Jahren ein Problem

Der Winter des Jahres 1997 war im Hochland recht hart. Durch Frost und Schnee wurden die Pflanzen so geschwächt, dass ungefähr ein Viertel des Agaven-Bestandes einging. Um den Bedarf dennoch decken zu können, so wird dort hinter vorgehaltener Hand erzählt, wurden Espadin-Agaven aus Oaxaca angekauft, um diese nach Jalisco zu schmuggeln, was wohl gelungen ist. Seitdem wird Tequila faktisch nicht mehr ausschließlich aus der blauen Weber-Agave hergestellt. 

Auch das Jahr 1999 war mit einem großen Agaven-Sterben verbunden. Jene besonders robusten Pflanzen, die überlebten, wurden konsequent für die Erzeugung der neuen Generationen verwendet. Dies geschah zunächst unter sterilen Laborbedingungen, danach wurden die kleinen Pflanzen auf den Feldern ausgesetzt. Alle Agaven der Region sind heute Nachkommen dieser „Auserwählten“. Man reagierte also wie immer: Jeder Plage wird separat begegnet, die übergeordneten Zusammenhänge interessieren niemanden, weil sie keinen sofortigen Gewinn garantieren und Investitionen in die Zukunft erfordern. 

Es gilt zu hoffen daß in Mexiko aus Sicht auf Umwelt und mit Blick in eine positive Tequila-Zukunft die richtigen Weichen gestellt werden – sonst ist es bald aus mit richtig gutem Tequila. Ich zumindest will 2030 keinen Mixto trinken mit einem Fremdzucker-Anteil von 80%. Dann lieber Wodka oder Gin…