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„TEQUILA, WIR HABEN EIN PROBLEM!“

Krisen sind ja zur Zeit „en Vogue“ und so ist es nicht verwunderlich daß Medien, vor allem in den USA nun auch fast täglich über den Tequila Markt berichten. Ein Markt, der mit seinen Preisen bald völlig „out of control“ ist. Glaubt man den Meinungsmachern oder Top-Influencern in den USA legt der Tequila-Liebhaber aktuell auch schonmal „120-150 US-$ auf den Tisch für einen Top-Tequila Blanco(Doug Price, Agavesocialclub). Auf US-Marktplätzen werden Flaschen in obszönen Preisregionen angeboten – die auch Käufer finden. Soweit sind wir hier in Deutschland zwar noch nicht, aber die Entwicklung ist hier ebenfalls spürbar: Die Preise gehen weiter nach oben. Wie kommen wir raus aus dieser Preisspirale?

„Prices go up,up,up.“

Tequila Krise - Preise für Tequila in den USA sind „Out of Control“. Die europäische Nachfrage verschärft zusätzlich die Krise.

Gute Idee: Mehr Mixto-Tequila?

Ein Mixto Tequila ist kein echter vollwertiger Tequila. Der Rohstoff: Die Blaue Weber Agave ist hier nur zu 51% zwingend als stärkebringender Rohstoff nötig. Aus was die restlichen 49% sind, bleibt dem Hersteller überlassen. Wenn er findig ist verwendet er die billigesten Grundstoffe die er finden kann. Und logisch, diese Verbrauchertäuschung wurde und wird weiterhin praktiziert, vornehmlich von großen Konzernen wie z.B. José Cuervo bzw. hier in Europa: Sierra Tequila. Ich bezeichne das Angebot an Mixto-Tequila als eine Art „Parallel-Markt ohne Daseinsberechtigung“ dessen Zielgruppe vermutlich noch nie echten 100% Agave Tequila getrunken hat. Anders lässt sicht das nicht erklären.

Eine Erhöhung der Mixto-Produktion würde zwar den Markt mit Millionen Liter „Tequila“ überfluten, aber insgesamt der Kategorie qualitativ schaden, denn die Nachfrage nach Mixto Tequila ist gottseidank RÜCKLÄUFIG. Langfristig also keine gute Idee. Zumal auch ein Mixto-Tequila in irgendeine Glasflasche abgefüllt werden muss, und davon gibt´s in Mexiko bekanntlich auch viel zu wenige. Also, lieber Mixto Tequila, go home und bleib da.

Tequila Krise auch bald in Europa?

Nach Angaben der mexikanischen Tequila-Regulierungsbehörde stieg das Exportvolumen nach Spanien im vergangenen Jahr um 90%, nach Frankreich um 73%, nach Großbritannien um 68 % und nach Deutschland um 60% und übertraf damit das weltweite Wachstum von 23%. 

Preise für Tequila in den USA sind „Out of Control“. Die europäische Nachfrage verschärft zusätzlich die Krise.

Laut Daten von NielsenIQ zahlten die Menschen in Europa im Dezember in den Geschäften fast 16% mehr für die Tequila als ein Jahr zuvor, 

Die europäische Nachfrage verschärft den Mangel an Agaven, die in der mexikanischen Region Jalisco beheimatet sind und zur Herstellung von Tequila verwendet werden.

Mehr Agave Spirituosen, bitte, jetzt!

Ich kann mich nur wiederholen: Andere Länder wie USA, Südamerika, Australien, Südafrika und auch Europa müssen endlich in die Pötte kommen mit Agave Spirituosen die zumindest in Grundzügen nach Tequila oder Mezcal riechen und schmecken. Ich hatte bis dato lediglich zwei Agave Spirit im Glas, die mit echten 100% de Agave Destillaten aus Mexico mithalten konnten:

Mean Mule American Agave Spirits aus USA: Aktuell wird zwar noch mit Agaven aus Jalisco, Mexiko gearbeitet, aber in Zukunft will der Hersteller sein Destillat aus heimischen Agaven herstellen. Ich bin gespannt wie die erste Abfüllung mit 100% US-Agaven schmecken wird. Aktuell ist die Marke leider nur in den USA erhältlich.

Leonista aus Südafrika: Deren Blanco zeichnet sich durch ein recht prägnantes Gurken- und Auberginenaroma aus und der Reposado mit seiner Holznote (in südafrikanischen Brandyfässern gereift) hat auch das gewissen Etwas. Gut gemacht und Bio ist´s auch, zudem ist der Flaschenpreis auch absolut fair. Leonista ist bereits in Europa erhältlich.

Fazit

Ich gehe davon aus, daß große Brands so clever sind und bereits an „Masterplänen“ arbeiten und ihr Portfolio mit „Non-Mexican“-Agave Spirits ergänzen werden, also Agave Spirituosen die außerhalb Mexikos produziert und abgefüllt werden. Gerade als Pouringprodukte für die Gastronomie könnte diese Spirituosengattung z.B. einen Standard-Tequila Blanco oder auch rauchigen Basis-Mezcal ersetzen. Eventuell sogar in Kombination mit Pappflaschen, Refillbehältern oder ähnlichem. Diese Spirits müssten natürlich auch preislich attraktiv sein und das würde den weiterhin steigenden Bedarf in der Gastronomie decken. Wer facettenreichen Tequila oder Mezcal will, kann weiterhin das mexikanische Original kaufen. Dieses weltweite Gesamtangebot könnte so mit der Nachfrage mitwachsen, sich dadurch langfristig vergrößern (auf qualitativ akzeptablem Niveau) und die Preise würden sich wieder stabilisieren. So zumindest meine Theorie.

Cheers,

Markus