Tequila Anejo - Wie Gehts weiter?
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DAS ENDE DES TEQUILA AÑEJO?

Scarlet vom Tequilafachforum TasteTequila.com hat am 23. März 2021 einen Artikel veröffentlicht, mit dem Titel Añejo Alarm: Why Aged Tequilas Are Disappearing. Zugegeben, klingt erstmal nach einer Schocker-Nachricht, kann aber auch etwas Gutes bedeuten. Wie steht es um Tequila Añejo?

Wer hat ein Problem?

Hier ruht hochwertiger Craft-Tequila der Marke G4 in der Destillerie El Pandillo.

Erstmal die gute Nachricht: Hast du als Tequila-Produzent immer genug Agaven Rohstoff, weil du genug Land besitzt um Agaven anzubauen und weil du in Unternehmerischem Sinn „klein und wendig“ bist, dann hast Du kein Problem. Bist Du allerdings auf Zukauf von Agaven oder Bulk-Tequila angewiesen, weil Du große Volumen produzierst, die mit Agaven von eigenen Feldern allein nicht hergestellt werden können (falls Du überhaupt eigene Felder hast), dann hast Du ein Problem. Und die Corona Pandemie hat das Problem in den letzten 12 Monaten noch zusätzlich verschärft.

Was ist das Problem? Agaven sind wertvoll wie Gold

Fangen wir beim Rohstoff an: Der Markt für den Rohstoff Blaue Weber Agave war und ist volatil, vergleichbar mit Kursen an der Börse: Du schaffst niemals den perfekten Einstieg am Tiefpunkt des Kurses, darauf kommt es auch gar nicht an. Aber, und das ist das große Aber: Du solltest zumindest irgendwann in der Aufwärtsbewegung drin sein – im Trade – sonst guckst Du nur passiv zu oder läufst dem Kurs hinterher. Und genauso ist es mit dem Agavenrohstoff-Handel.

Sprich: Produzenten, die sich in den letzten 2 Jahre „verzockt“ haben und auf noch niedrigere Preise bei der Agave „gewettet“ haben und eben zu wenig Rohstoff gekauft haben, stehen nun vor dem Problem, dass sie den steigenden Bedarf nicht (mehr) decken können. Eine Agave wächst nunmal nicht in einem Jahr.

Problem Nr.2: Wartezeit beim Tequila Añejo bringt erstmal keinen Umsatz

Tequila Extra Anejo
Tequila Extra Anejo von Terralta Tequila – Craft Tequila ohne Zusatzstoffe

Ein Produkt wie ein Tequila Añejo oder gar Tequila Extra Añejo, daß 1-3 Jahre ruhen muss, erwirtschaftet erstmal keinen Ertrag. Im Gegenteil: Es entstehen sogar noch zusätztliche Kosten.

Veränderte Nachfrage

Hinzukommt, dass durch die Corona Pandemie in den letzten 12 Monaten mehr gereifte Tequila Varianten an Endkunden verkauft wurden und somit die Lager der großen Produzenten auch ziemlich leer sind. Der Endkunde hat eher zum Añejo/Extra Añejo gegriffen als zum Blanco. Für Zuhause „gönnt man sich halt was vermeintlich besseres“ 😉

Viele Tequila Añejo oder Tequila Extra Añejo von namhaften Marken sind aktuell nicht lieferbar oder haben eine deftige Preissteigerung erlebt bzw. stehen kurz davor. Den Vogel schiesst in meinen Augen Don Julio ab. Wer mit dem Don Julio Añejo 1942 als Fachhändler eine vernünftig Marge erzielen will, muss diesen Tequila für um die 180 EUR anbieten, was in Anbetracht der Qualität ein schlechter Scherz ist. Für 180 EUR bekomm ich 2 Flaschen Fortaleza Añejo, G4 Añejo oder sogar 3 Añejo von Ocho. Nur so als Beispiel.

Möglicher Lösungsansatz der Tequila Industrie

Um schneller Umsatz zu generieren legt man somit der Fokus in der Produktion auf direktabgfüllte Blanco oder kurz gereiften Reposado Tequila. Oder, so Scarlet von TasteTequila.com, setzt zusätzlich auf Cristalino Tequilas. Deren Basis ist normalerweise zwar ebenfalls ein Tequila Añejo, jedoch gibt es auch Reposado-Cristalinos bzw. Blends, wie z.b. den Maestro Dobel Diamante. Das wäre zumindest ein „Añejo-Ersatz“ für die Smooth-Süss-Sanft-Tequila-Fetischisten. Wenn hier alles korrekt auf dem Etikett deklariert ist, dann würd ich sagen: kann man machen.

Tequila Cristalino von Maestro Dobel
Maestro Dobel Diamante – Ein Reposado Cristalino Tequila

Mein Fazit

Solange nicht wieder jemand auf die glorreiche Idee kommt das Problem auf Seiten der Rohstoffqualität zu lösen, (70% oder 51% oder den Anteil von Blauer Weber Agave noch weiter runterzuschrauben, wie ja schon exzessiv passiert ist), gibt es in meinen Augen (noch) kein Problem.

Und was ist nun das Gute daran?

Sind wir doch mal ehrlich: Ein gut gemachter Tequila Añejo, estate grown, also mit Agaven von eigenen Feldern, mit kontrolliertem Anbau, ohne Pestizide hochgezogen, am besten Zusatzstoff-frei und mit handschriftlicher Batchnummer auf der Flasche gibts von vielen tollen Marken (Fortaleza, Ocho, Tapatio, Don Fulano, G4, Terralta, Pasote, und etliche mehr) zu ehrlichen Preisen. Die Liste an richtig guten Marken mit exzellenten Tequila Añejo oder Extra Añejo ist lang. Auch kreative Sonderabfüllungen sind hier verfügbar – die zusätzlich für Abwechslung sorgen – und diese sind wirklich jeden Cent wert. Craft-Tequila rules, Transparenz zählt und das Gefühl zu wissen, daß hinter jeder hergestellten Flasche ein Team von Enthusiasten steht, das alles dafür tut, damit Ihre Produkte nahzu perfekt sind. Das schätzt der wahre Tequila-Nerd. Ein Premium-Tequila ist und bleibt ein Spirituosen-Meisterwerk. Salud!

Artikel auf TasteTequila.com: https://tastetequila.com/2021/anejo-alarm-why-aged-tequilas-are-disappearing/

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